Forschende der Universität Leiden haben in einer Studie mit mehr als 200 langlebigen Familien eine seltene Genvariante identifiziert, die vor Alterskrankheiten schützen könnte. Die Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Humangenetik in Göteborg vorgestellt.
Das Team um Pasquale Putter analysierte die Genome von 212 Geschwistergruppen aus der „Leiden Longevity Study" und identifizierte zwölf seltene Varianten, die mit außergewöhnlich langem und gesundem Leben in Verbindung stehen. Besonders auffällig war eine Mutation im CGAS-Gen (cyclic GMP-AMP synthase), die in zwei Familien auftrat.
CGAS ist ein Sensor des angeborenen Immunsystems, der Entzündungsreaktionen auslöst, wenn beschädigte oder fremde DNA in der Zelle erkannt wird. Die entdeckte Variante führt dazu, dass Betroffene nur eine aktive Kopie des Gens besitzen statt zwei. Dadurch wird die chronische, niederschwellige Entzündungsaktivität – das sogenannte „Inflammaging" – reduziert, während die Immunabwehr gegen Infektionen erhalten bleibt.
Frühere Untersuchungen zeigten bereits, dass Nachkommen langlebiger Eltern Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Schnitt 13 Jahre später entwickeln als Gleichaltrige. Die neue Studie liefert nun einen molekularen Erklärungsansatz. Als nächsten Schritt wollen die Forscher die CGAS-Mutation in Killifischen – den kurzlebigsten Wirbeltieren – testen, um den Effekt auf Lebensspanne und Gewebegesundheit zu messen.
Quelle: European Society of Human Genetics, Jahrestagung Göteborg, 21. Juni 2026; präsentiert von Pasquale Putter, Leiden University Medical Center.
